Der Thermomix bleibt das wichtigste Zugpferd des Familienunternehmens Vorwerk. Nach Angaben des Wuppertaler Direktvertriebskonzerns hat sich die Küchenmaschine 2025 bereits zum sechsten Mal in Folge besser verkauft als im Vorjahr. Besonders stark fiel das Wachstum nach der Einführung des neuen Modells TM7 aus. Der Umsatz der Thermomix-Sparte stieg um fast 24 Prozent von 1,7 auf 2,1 Milliarden Euro.
Vorwerk-Chef Thomas Stoffmehl sieht darin keinen kurzfristigen Effekt. Das Unternehmen plane weiter mit ambitioniertem Wachstum, sagte er der „Welt“. Entscheidend sei dabei der Ausbau des Direktvertriebs. „Je mehr Berater im Markt unterwegs sind, desto mehr Geräte werden verkauft“, erklärte Stoffmehl. Aktuell stehen weltweit rund 130.000 Verkäufer bei Vorwerk unter Vertrag. Das sind etwa 15.000 mehr als im Vorjahr, ein Plus von rund 13 Prozent.
20.000 Berater gesucht
Der überwiegende Teil der Vertriebsmannschaft arbeitet für den Thermomix. Nach Unternehmensangaben sind rund 85 Prozent der Berater in diesem Segment tätig, die meisten davon Frauen. Die übrigen Vertreter verkaufen vor allem das Staubsaugersystem Kobold, hier sind mehrheitlich Männer im Einsatz. Bis 2030 will Vorwerk die Zahl seiner Berater auf mindestens 150.000 erhöhen.
Die starke Rolle des Thermomix verändert zugleich die Struktur des Konzerns. Von den insgesamt 3,6 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr entfielen inzwischen knapp 60 Prozent auf die Küchenmaschine. Der Kobold kam auf nahezu 22 Prozent, weitere 18 Prozent steuerte die konzerneigene akf-bank bei. Stoffmehl sieht in dieser Abhängigkeit allerdings kein Problem. Vorwerk sei von einer Marktsättigung weit entfernt.
Deutschland bleibt wichtigstes Land
Als Beispiel nennt das Unternehmen Portugal. Dort wird die Marktdurchdringung des Thermomix auf mehr als 20 Prozent geschätzt – so hoch wie in keinem anderen Land. Dennoch verkaufte Vorwerk dort 2025 so viele Geräte wie nie zuvor. Größter Einzelmarkt unter den weltweit 67 Ländern bleibt Deutschland. Nach Einschätzung des Unternehmens steht hierzulande mittlerweile in jedem zehnten Haushalt ein Thermomix. Das Wachstum lag in Deutschland mit mehr als 26 Prozent sogar über dem Durchschnitt.
Als zentraler Treiber gilt die Einführung des TM7. Vorwerk spricht von der erfolgreichsten Produkteinführung in der Geschichte des Unternehmens. Das neue Modell unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern. Die bisher prägende wuchtige Einfassung des Mixtopfs wurde durch ein flacheres Gehäuse mit großem Display und freistehendem Topf ersetzt. Auch farblich hat Vorwerk umgestellt: Gehäuse und Topf sind nun schwarz statt weiß und edelstahlfarben.
Nur das Messer bleibt unberührt
Technisch wurde das Gerät weitgehend neu entwickelt. Nach Angaben des Unternehmens ist das Messer das einzige Bauteil, das unverändert blieb. Der Motor wurde überarbeitet und soll trotz 11.000 Umdrehungen pro Minute deutlich leiser laufen. Weil das Gerät im Betrieb kaum noch zu hören sei, habe Vorwerk eine LED-Leiste integriert, die den Betriebszustand sichtbar macht.
Produziert wird der TM7 weiterhin in Frankreich. Vorwerk fertigt in einem modernisierten Werk in Cloyes-sur-le-Loir sowie in einem neu gebauten Werk in Donnemain-Saint-Mamès, beide südwestlich von Paris. In die Standorte investierte das Unternehmen zusammen rund 130 Millionen Euro. Einzelne Bauteile, darunter der Motor, stammen weiterhin aus dem Stammwerk in Wuppertal.
Eine vollständige Verlagerung der Produktion nach Deutschland wurde nach Angaben des Unternehmens zeitweise geprüft, aber nicht umgesetzt. Stoffmehl verwies auf die aus seiner Sicht industriefreundlichere Haltung in Frankreich. Dort gebe es ein anderes Bekenntnis zur Produktion als in Deutschland, sagte der Manager.
