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Die Lust der Deutschen auf Luxus-Küchen

Vier Jahre Stagnation in Deutschland haben ihre Spuren hinterlassen. Die deutsche Küchenindustrie blickt vorsichtig optimistisch auf das laufende Jahr. Nach Jahren mit rückläufigen Umsätzen mehren sich zwar Anzeichen einer Stabilisierung. Von einer echten Trendwende spricht die Branche aber noch nicht. Zu groß bleiben die Unsicherheiten: Konsumzurückhaltung, schwacher Wohnungsbau und gestiegene Kosten drücken weiter auf den Markt.

2024 fiel der Rückgang am deutlichsten aus. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sank der Umsatz der deutschen Küchenindustrie um 6,5 Prozent auf knapp 5,7 Milliarden Euro. Besonders schwach entwickelte sich das Inlandsgeschäft. Hier lag das Minus bei 8,2 Prozent. 2025 gab es nochmal einen kleinen Dämpfer von 0,3 Prozent zum Vorjahr.

Konsumzurückhaltung und schwacher Neubau bremsen den Markt

Die Gründe für den Rückgang liegen aus Sicht der Branche auf der Hand. Viele Haushalte halten sich bei größeren Anschaffungen zurück. Eine neue Küche gehört zu den teuersten Investitionen im Wohnbereich und wird in wirtschaftlich unsicheren Zeiten leicht verschoben.

Hinzu kommt die Krise im Wohnungsbau. Sinkende Baugenehmigungen und weniger Neubauten wirken sich direkt auf die Nachfrage aus. Denn mit jedem Neubau, jedem Umzug und jeder neuen Wohnung entsteht potenziell Bedarf für eine Küche.

Auch Modernisierungen werden häufiger aufgeschoben. Zwar sind viele Küchen in deutschen Haushalten in die Jahre gekommen. Üblicherweise wird eine Küche zwölf bis 15 Jahre genutzt. Derzeit verlängern viele Eigentümer und Mieter diesen Zeitraum jedoch deutlich. Reparieren, ergänzen oder einzelne Geräte austauschen erscheint vielen günstiger als eine komplette Neuanschaffung.

Premium läuft besser als Einstiegsküche

Auffällig ist die Verschiebung innerhalb des Marktes. Während günstige Küchen deutlich weniger gefragt sind, legt das obere Segment zu. Nach Daten des Marktforschers NIQ legte der Absatz von Küchen mit einem Wert von mindestens 20.000 Euro im Jahr 2024 um 8,5 Prozent zu.

In den unteren Preisklassen zeigte sich dagegen ein anderes Bild. Küchen unter 5.000 Euro wurden 7,1 Prozent seltener verkauft. Auch im mittleren Bereich gab es Rückgänge: 0,5 Prozent weniger im Segment von 5.000 bis 10.000 Euro und 2,8 Prozent weniger bei Küchen zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Die Entwicklung zeigt, wie ungleich der Markt derzeit läuft. Haushalte mit geringerem Einkommen verschieben große Anschaffungen häufiger. Wer finanziell weniger stark von Inflation, Zinsen und Unsicherheit betroffen ist, investiert weiterhin – und dann oft hochwertiger.

Durchschnittspreis erreicht neuen Höchstwert

Durch diese Verschiebung steigt der Durchschnittspreis. NIQ beziffert ihn für 2024 auf 11.567 Euro. In diesem Wert enthalten sind nicht nur die Küchenmöbel, sondern auch Elektrogeräte, Arbeitsplatte und Montage.

Zwar haben sich in vielen Bereichen auch die Preise erhöht. Die Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche (AMK) sieht den Preisanstieg aber nicht nur als Folge von Inflation und Kostensteigerungen. Dort spricht man von einer grundsätzlichen „Wertverschiebung“. Verbraucher, die kaufen, entscheiden sich häufiger bewusst für Qualität, Ausstattung und langlebige Lösungen.

Diesen Trend bedienen nicht nur klassische Premiumanbieter. Auch Hersteller im breiteren Markt versuchen, ihre Angebote aufzuwerten. In der Branche ist von „Trading Up“ die Rede: Küchen werden hochwertiger geplant, mit besseren Materialien, mehr Komfortfunktionen und teureren Geräten ausgestattet.

Die Küche bleibt Statussymbol

Die Küche hat sich in den vergangenen Jahren stärker zum repräsentativen Wohnbereich entwickelt. Sie ist nicht mehr nur funktionaler Arbeitsraum, sondern Teil des Wohnkonzepts. Offene Grundrisse, hochwertige Oberflächen und sichtbar platzierte Geräte haben dazu beigetragen, dass Küchen stärker als Statussymbol wahrgenommen werden.

Auch wenn offene Küchen zuletzt Konkurrenz durch geschlossene oder teilabgetrennte Konzepte bekommen, bleibt der Anspruch an Gestaltung hoch. Küchen sollen langlebig, wohnlich und technisch auf dem neuesten Stand sein. Wer investiert, achtet daher stärker auf Design, Funktion und Materialqualität.