Nach mehr als 180 Jahren endet die Produktion bei der Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen. Zum Jahresende soll der Betrieb eingestellt werden. Eine monatelange Suche nach einem Investor blieb erfolglos.
Die Fertigung soll nicht abrupt enden, sondern in mehreren Etappen zurückgefahren werden. Ziel ist es, bestehende Aufträge möglichst noch abzuarbeiten und den Betrieb geordnet zu beenden.
Der Insolvenzverwalter sprach davon, die Porzellanmanufaktur würdevoll verabschieden zu wollen. Damit soll zumindest sichergestellt werden, dass die verbliebenen Aufträge noch soweit wie möglich erfüllt werden können. Kahla gewann über 100 internationale Designpreise.
Hohe Energiekosten und schwache Nachfrage
Als einen entscheidenden Grund für das Aus nannte der Insolvenzverwalter die hohen Energiekosten in Deutschland. Für einen energieintensiven Produktionsbetrieb wie eine Porzellanmanufaktur stellen sie eine erhebliche wirtschaftliche Belastung dar.
Hinzu kommt eine schwierige Auftragslage. Kahla verwies auf die ausgeprägte Zurückhaltung bei Käufen im Gastronomiebereich. Wenn Restaurants und andere gewerbliche Kunden weniger Geschirr bestellen, trifft das einen Hersteller, der auf solche Abnehmer angewiesen ist.
Zweite Insolvenz innerhalb weniger Jahre
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten begleiten das Unternehmen bereits seit längerer Zeit. Schon im März 2020 hatte Kahla erstmals Insolvenz angemeldet. Im Februar 2026 folgte ein weiterer Insolvenzantrag. Die erneuten Bemühungen um einen Investor sollten den Fortbestand der Produktion ermöglichen, scheiterten jedoch letztlich. Mit dem angekündigten Ende verliert Deutschland einen bekannten Porzellanhersteller.
Für die verbliebenen 96 Beschäftigten bedeutet das Unternehmen-Aus den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Nach Angaben des MDR gab es bis zuletzt Gespräche mit möglichen Investoren, darunter einem Interessenten aus der Türkei. Zu einer konkreten Vereinbarung kam es jedoch nicht.
Beste Qualität aus Deutschland
Kahla ist von sehr guter Qualität und steht seit 1844 für hochwertiges Porzellan „Made in Germany“. Das Unternehmen verwendet Hartporzellan mit einer extrem dichten Oberfläche und einer Wasseraufnahme von unter 0,1 %. Das Geschirr ist im Normalfall spülmaschinen- und mikrowellenfest sowie temperaturwechselbeständig bis ca. 200 °C.
Kahla Porzellan erzielt auf Internet-Marktplätzen von einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert Euro für gut erhaltene Service-Sets. Ältere Stücke aus der DDR-Zeit (VEB Kahla) oder Vorkriegsware sind oft schöne Liebhaber- oder Sammlerstücke, erzielen aber selten Höchstpreise, da Kahla überwiegend Gebrauchsporzellan in großen Stückzahlen fertigte.
