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Warum der Besen für mich nicht ausgedient hat

Es gibt Haushaltsgeräte, deren Zeit irgendwann vorbei zu sein scheint. Eine Kolumne.

Der Staubsauger gehört nicht dazu. Er hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom einfachen Lärmmacher zum beinahe allwissenden Haushaltshelfer entwickelt. Er saugt, wischt, fährt selbstständig durch die Wohnung und weiß vermutlich bald genauer als ich, wo sich meine Krümel befinden.

Und dann steht da der Besen. Still. Unauffällig. Seit Jahren.

Ich habe mich neulich gefragt, warum wir eigentlich so tun, als wäre der Besen ein Auslaufmodell. Gerade in der Küche brauche ich ihn ständig. Nicht für die große Grundreinigung, sondern für das Leben dazwischen.

Ein paar Brotkrümel nach dem Frühstück. Reis, der beim Kochen den Weg vom Topf auf den Boden gefunden hat. Eine Zwiebelschale, die sich erfolgreich der Müllschublade entzogen hat. Mehl nach dem Backen. Vielleicht noch ein paar Nudeln, die beim Versuch, sie in den Topf zu befördern, beschlossen haben, lieber auf dem Fußboden zu liegen.

Dafür hole ich doch nicht den Staubsauger.

Der Besen steht in der Ecke und wartet. Kein Kabel muss abgewickelt werden, kein Akku geladen, kein Knopf gedrückt werden, der anschließend irgendeine Fehlermeldung produziert. Man nimmt ihn, kehrt einmal durch – fertig.

Überhaupt ist mir aufgefallen, wie viele dieser alten Haushaltshelfer noch immer ihren Dienst tun, obwohl sie längst nicht mehr als besonders modern gelten.

Der Schrubber zum Beispiel.

Ein Wort, das schon so klingt, als sei es nicht mehr ganz von dieser Welt. Schrubber. Das ist kein Gerät, das eine App braucht. Der Schrubber hat eine Bürste, einen Stiel und eine ziemlich klare Vorstellung davon, was seine Aufgabe ist. Er schrubbt.

Dazu der Putzlappen. Auch er ist von geradezu rührender Anspruchslosigkeit. Kein Display, keine Ladestation, keine automatische Reinigung. Er liegt herum, bis irgendwo etwas kleckert. Dann wird er gebraucht.

Und natürlich die Bürsten. Flaschenbürsten, Handbürsten, Schuhbürsten, Küchenbürsten. Kleine Spezialisten einer Zeit, in der man offenbar noch akzeptierte, dass nicht jedes Problem mit einem einzigen elektrischen Gerät gelöst werden musste.

Vielleicht ist genau das mein Problem mit der modernen Hausreinigung: Wir haben sie immer weiter perfektioniert, bis selbst ein paar Krümel einen technischen Vorgang darstellen.

Ich möchte aber nicht, dass ein Roboter meinen Küchenboden kartiert, wenn ich gerade ein halbes Brötchen darauf verteilt habe.

Ich möchte einen Besen.

Dabei ist der Besen keineswegs primitiv. Im Gegenteil. Wenn man einmal darüber nachdenkt, ist er ein ziemlich ausgereiftes Stück Technik. Es gibt unterschiedliche Borsten, unterschiedliche Materialien und unterschiedliche Härten. Früher wurden dafür sogar Tierhaare verwendet, etwa Rosshaar für besonders feine Besen. Pflanzliche Fasern kamen ebenfalls zum Einsatz. Heute ist vieles synthetisch.

Aber das Prinzip hat sich kaum verändert.

Und vielleicht ist das ein Zeichen für Qualität.

Es gibt Dinge, die müssen nicht alle fünf Jahre eine neue Generation bekommen. Ein Besen braucht kein Update. Ein Schrubber keine Software. Ein Putzlappen keine Bluetooth-Verbindung.

Sie funktionieren einfach.

Ich glaube sogar, dass wir in Zukunft wieder mehr von diesen Dingen brauchen werden. Nicht aus Nostalgie, sondern aus einem ganz praktischen Grund: Manche Aufgaben sind so klein, dass ein hochentwickeltes Gerät dafür schlicht übertrieben ist.

Wenn ich einen Krümel wegkehren will, brauche ich keine künstliche Intelligenz.

Ich brauche einen Besen, einen Putzlappen für den Klecks und vielleicht den Schrubber, falls aus dem Klecks inzwischen ein Ereignis geworden ist.

Und irgendwo daneben stehen die Bürsten.

Sie warten alle geduldig.

Es ist beruhigend zu wissen, dass wenigstens ein paar Dinge im Haushalt noch immer genau das tun, was sie schon immer getan haben.

Ohne App.

Ohne Akku.

Und vor allem: ohne dass ich erst die Bedienungsanleitung lesen muss, um einen Krümel loszuwerden.