Das Bild vom deutschen „Kochmuffel“ hält sich hartnäckig. Doch aktuelle Studien zeichnen ein differenzierteres Bild: Die Deutschen stehen durchaus regelmäßig am Herd – allerdings unter klaren Bedingungen.
Nach dem aktuellen Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kochen 43 Prozent der Deutschen (fast) täglich. Rund drei Viertel geben an, gern zu kochen. Auch andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach bereiten neun von zehn Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich selbst Mahlzeiten zu.
Damit relativieren die neuen Zahlen frühere internationale Vergleiche, wonach Deutsche im Schnitt vergleichsweise wenig Zeit fürs Kochen aufwenden. Diese Daten, etwa aus einer älteren Studie des Marktforschungsunternehmens GfK, berücksichtigten vor allem die wöchentliche Kochdauer – nicht jedoch die Häufigkeit oder Motivation.
Zeit ist entscheidender Faktor
Auffällig ist: Kochen wird zwar geschätzt, soll aber vor allem schnell gehen. Laut Umfragen möchten rund 60 Prozent der Befragten nicht länger als 30 Minuten für die Zubereitung einer Mahlzeit aufwenden. Der Alltag setzt klare Grenzen – Beruf, Familie und Freizeit lassen oft wenig Spielraum für aufwendige Gerichte.
Das spiegelt sich auch im Konsumverhalten wider: Fertigprodukte und halbfertige Zutaten sind weit verbreitet. Sie ermöglichen es, selbst zu kochen, ohne viel Zeit investieren zu müssen.
Kleine Gruppe kocht kaum
Ganz ohne Kochen kommt allerdings nur eine Minderheit aus. Etwa zehn Prozent der Deutschen geben an, (fast) nie selbst zu kochen. Der Großteil hingegen bewegt sich zwischen gelegentlichem und regelmäßigem Kochen.
Pandemie als Wendepunkt
Während der Corona-Pandemie hatte sich das Kochverhalten deutlich verändert: Viele Menschen verbrachten mehr Zeit zu Hause und griffen häufiger selbst zum Kochlöffel. Dieser Trend wirkt in Teilen bis heute nach, auch wenn sich der Alltag inzwischen wieder normalisiert hat.
Kein Kochmuffel-Land
Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Deutschen sind weit entfernt davon, ein Land der Kochverweigerer zu sein. Vielmehr hat sich eine pragmatische Kochkultur etabliert.
Kochen gehört für viele zum Alltag – allerdings angepasst an die Anforderungen eines zunehmend durchgetakteten Lebens. Der Trend geht nicht weg vom Herd, sondern hin zu schnellen, unkomplizierten Lösungen.
