Der Spargel liegt auf der Arbeitsplatte, daneben der Lauch, noch mit einem Rest Erde, als hätte er keine große Lust gehabt, die Natur zu verlassen. Ich stehe davor und denke: Eigentlich reicht das schon. Zwei Gemüsesorten, ein Messer, eine Pfanne. Mehr braucht es nicht, um sich für einen Moment wie jemand zu fühlen, der kochen kann.
Spargel ist ja ein seltsames Lebensmittel. Kaum ist er da, tut er so, als gehöre ihm der gesamte Frühling. Man kauft ihn, weil man ihn kaufen muss. Nicht, weil man unbedingt will. Es ist ein bisschen wie mit Erdbeeren im Juni oder guten Vorsätzen im Januar. Man macht mit.
Beim Schälen des Spargels passiert dann etwas Beruhigendes. Streifen fallen gleichmäßig auf das Brett, als gäbe es noch Ordnung in der Welt. Man wird langsamer. Präziser. Für einen Moment glaubt man, dass alles, was man falsch gemacht hat, sich durch korrekt geschälten Spargel wieder gutmachen lässt.
„Jetzt übertreib mal nicht“
Dann kommt der Lauch. Der ist weniger elegant. Lauch hat etwas Bodenständiges, fast Trotzendes. Er knackt ein wenig beim Schneiden, widersetzt sich der Idee von feinen Bändern und tut so, als sei er für rustikalere Gerichte bestimmt. Genau deshalb passt er zum Spargel. Der eine ist filigran, der andere sagt: Jetzt übertreib mal nicht.
Ich schneide den Spargel mit dem Sparschäler in dünne Streifen, mehr aus Neugier als aus Überzeugung. Es sieht gut aus. Es sieht immer gut aus, wenn etwas in Streifen geschnitten ist. Niemand weiß genau, warum, aber es hat sofort etwas von gehobener Küche. Dabei ist es eigentlich nur dünn.
Die Butter ist zu diesem Zeitpunkt schon in der Pfanne. Ich habe sie zu früh angeschaltet, wie immer. Sie wartet nicht. Butter ist ungeduldig. Sie schmilzt, auch wenn man noch gar nicht so weit ist. Vielleicht ist das eine Lebenslektion.
Richtig würzen
Spargel und Lauch landen gleichzeitig in der Pfanne. Es zischt ein bisschen. Ich rühre. Mehr passiert nicht. Zwei, drei Minuten, vielleicht vier, je nachdem, wie sehr man sich ablenken lässt. Das Gemüse soll ja nicht fertig sein, sondern nur so tun als ob. Biss ist wichtig. Biss bedeutet Kontrolle.
Gewürzt wird wenig. Salz. Vielleicht eine Prise Zucker, damit man das Gefühl hat, man hätte sich Gedanken gemacht. Ich habe einmal versucht, mehr daraus zu machen. Gewürze, Kräuter, eine gewisse Kreativität. Es wurde sofort schlechter. Manche Dinge wollen nicht verbessert werden.
Dann steht dieses Gericht da. Spargel, Lauch, ein bisschen Glanz von der Butter. Es sieht unscheinbar aus, aber irgendwie richtig. Man kann es zu Fleisch essen, zu Fisch oder einfach so. Es stellt keine großen Ansprüche und macht selbst keine großen Versprechen.
Süßkartoffel als Beilage
Manchmal kommt noch eine Süßkartoffel dazu. Das ist dann die moderne Variante. Süßkartoffeln sind das, was passiert, wenn man Kartoffeln optimiert. Sie bringen Süße ins Spiel, vielleicht auch ein bisschen Zeitgeist. Ich bin mir nie ganz sicher, ob sie wirklich dazugehören oder ob sie einfach nur gern dabei wären.
Am Ende ist dieses Gericht eine kleine Erinnerung daran, dass Kochen oft weniger mit Können zu tun hat als mit Aufmerksamkeit. Schneiden, warten, nicht zu viel wollen. Das klingt banal, ist aber erstaunlich schwer.
Und während ich esse, denke ich: Vielleicht ist das genau der Punkt. Dass man einmal nichts verbessern muss. Nicht das Rezept, nicht den Tag, nicht sich selbst. Nur den Spargel schälen. Und den Lauch schneiden. Und schauen, was passiert.
