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Siemens EQ900 iAroma mit intelligenter Technik: Was kann der Kaffeevollautomat wirklich?

Ein Kaffeevollautomat, der sich auf die Bohnen einstellt und mehr als 40 Kaffeespezialitäten zubereiten kann: Der Siemens EQ900 iAroma richtet sich an Menschen, denen eine Tasse Kaffee längst nicht mehr genügt. Espresso am Morgen, Flat White am Nachmittag, vielleicht ein Cold Brew am Wochenende – möglichst alles auf Knopfdruck.

Mit dem Schlagwort „KI“ sollte man allerdings vorsichtig sein. Siemens beschreibt die Technik des EQ900 iAroma als intelligente Technologie. Das beanIdent-System passt die Einstellungen des Brühvorgangs an die verwendeten Bohnen und das ausgewählte Getränk an. Eine Kamera, die den Kaffee analysiert, oder eine generative künstliche Intelligenz, mit der man sich unterhält, steckt in dem Kaffeevollautomaten nicht.

Was bedeutet iAroma?

Hinter iAroma verbirgt sich bei Siemens ein Zusammenspiel verschiedener Komponenten. Das Gerät stimmt unter anderem Mahlgrad, Temperatur und Wasserdurchfluss aufeinander ab. Beim EQ900 kommt das beanIdent-System hinzu: Der Nutzer beantwortet Angaben zur verwendeten Bohne, etwa zum Röstgrad oder zur Art der Bohne, und das System schlägt passende Einstellungen vor beziehungsweise passt die Brühparameter entsprechend an.

Das ist durchaus sinnvoll, denn Kaffee reagiert empfindlich auf die Zubereitung. Eine sehr dunkel geröstete Bohne benötigt nicht zwingend dieselben Einstellungen wie ein heller Espresso. Der Vorteil der Technik besteht deshalb weniger darin, dass die Maschine „intelligent“ im umgangssprachlichen Sinne wäre. Sie soll vielmehr die vielen Stellschrauben der Kaffeezubereitung automatisch aufeinander abstimmen.

Wer selbst experimentieren möchte, kann beim EQ900 trotzdem weitgehend die Kontrolle übernehmen. Im baristaMode lassen sich sechs Brühparameter einstellen: Stärke, Getränkemenge, Mahlgrad, Kontaktzeit, Brühtemperatur und das Verhältnis von Milch zu Kaffee.

Was haben mehr als 40 Kaffeespezialitäten zu bieten?

Die Zahl klingt beeindruckend – sollte aber richtig verstanden werden. Beim aktuellen EQ900 iAroma sind bis zu 31 Getränke direkt am Gerät verfügbar. Über die Siemens-App steigt die Auswahl auf 41 Getränke. Dazu gehören klassische Varianten ebenso wie internationale Spezialitäten und verschiedene XL-Getränke.

Darunter finden sich beispielsweise Espresso und klassische Kaffeegetränke, aber auch Flat White, Galão oder Cold Brew. Die Idee dahinter ist weniger, dass jemand tatsächlich jeden Tag zwischen 41 Getränken wechselt. Interessant ist vielmehr, dass ein Vollautomat nicht mehr nur Espresso, Kaffee, Cappuccino und Latte Macchiato anbieten muss.

Für einen Haushalt mit unterschiedlichen Vorlieben kann die große Auswahl dennoch praktisch sein. Der eine möchte einen kräftigen Espresso, der nächste einen großen Milchkaffee. Bis zu zehn Nutzerprofile können beim EQ900 jeweils eigene Lieblingsgetränke speichern.

Zwei Bohnenbehälter statt Bohnenwechsel

Eine der interessanteren Funktionen ist bei ausgewählten EQ900-Modellen das dualBean-System. Es gibt zwei getrennte Bohnenbehälter mit jeweils eigenem elektronisch einstellbarem Mahlwerk. Dadurch kann beispielsweise eine Espresso-Röstung im einen und eine mildere Kaffeebohne im anderen Behälter liegen.

Das ist im Alltag praktischer, als es zunächst klingt. Wer morgens einen kräftigen Espresso und nachmittags einen milderen Kaffee möchte, muss nicht jedes Mal den Bohnenbehälter leeren. Auch für einen Haushalt, in dem unterschiedliche Geschmäcker zusammenkommen, kann die Funktion interessant sein.

Allerdings gehört auch diese Ausstattung zu den Punkten, die den Preis des Geräts nach oben treiben. Wer ohnehin immer dieselbe Bohnensorte verwendet, wird zwei getrennte Mahlwerke kaum benötigen.

Die Vorteile des Siemens EQ900 iAroma

Der größte Vorteil liegt in der Kombination aus Auswahl und Individualisierung. Der Nutzer kann entweder die automatische Abstimmung nutzen oder selbst sehr genau eingreifen. Damit ist der EQ900 interessanter für Kaffeetrinker, die sich tatsächlich mit unterschiedlichen Bohnen und Zubereitungsarten beschäftigen, als für jemanden, der morgens einfach nur auf einen Knopf drücken möchte.

Hinzu kommen der große 6,8-Zoll-Touchscreen, gespeicherte Nutzerprofile und die Möglichkeit, zahlreiche Getränke individuell anzupassen. Die aktuellen Modelle verfügen außerdem über eine Vorwärmfunktion und eine höhenverstellbare Abstellfläche für große Tassen und To-go-Becher. Die XL-Getränke können bis zu 480 Milliliter umfassen.

Das Gerät ist zudem auf einen möglichst leisen Betrieb ausgelegt. Siemens bezeichnet das überarbeitete Modell als „superSilent“. Ein unabhängiger Test des verwandten EQ700 iAroma maß beim Mahlvorgang rund 64,9 Dezibel und bewertete das Gerät als vergleichsweise leise.

Die Nachteile: Viel Technik bedeutet auch viel Gerät

Der offensichtlichste Nachteil ist der Preis. Der EQ900 gehört zur Premiumklasse der Kaffeevollautomaten. Wer lediglich einen guten Espresso oder einen Cappuccino möchte, bezahlt für zahlreiche Funktionen, die er möglicherweise nie nutzt.

Auch der Platzbedarf sollte nicht unterschätzt werden. Ein solcher Vollautomat ist kein kleines Küchengerät, das man nach der Benutzung einfach in den Schrank stellt. Das Gehäuse ist groß und schwer, und über dem Gerät muss genügend Platz vorhanden sein, um Bohnen einzufüllen beziehungsweise die notwendigen Wartungsarbeiten durchzuführen.

Hinzu kommt die grundsätzliche Frage nach dem Nutzen der Getränkevielfalt. 41 Spezialitäten hören sich nach einem enormen Angebot an. In der Praxis dürften viele Nutzer aber nur eine Handvoll davon regelmäßig trinken. Wer am Ende fast immer denselben Cappuccino zubereitet, braucht weder 41 Rezepte noch einen großen Teil der Einstellmöglichkeiten.

Und auch die intelligente Bohnenanpassung ersetzt nicht die Qualität der Bohnen. Ein Vollautomat kann Mahlgrad, Temperatur und andere Parameter optimieren – aus mittelmäßigen Bohnen wird dadurch kein außergewöhnlicher Kaffee.

EQ900 oder EQ900 plus?

Beim Kauf muss außerdem zwischen dem EQ900 iAroma und dem EQ900 plus iAroma unterschieden werden. Der wesentliche Unterschied liegt bei der Pflege: Das Plus-Modell verfügt zusätzlich über eine automatische Reinigung und Entkalkung.

Das kann im Alltag ein echter Komfortgewinn sein. Es bedeutet allerdings nicht, dass der Besitzer überhaupt nichts mehr reinigen muss. Ein Kaffeevollautomat bleibt ein Gerät, das regelmäßig gepflegt werden muss – insbesondere dort, wo Milch verarbeitet wird. Automatische Programme können Arbeit abnehmen, aber sie machen die Maschine nicht wartungsfrei.

Für wen lohnt sich der Kaffeevollautomat?

Der Siemens EQ900 iAroma ist vor allem für Menschen interessant, die Kaffee nicht nur als morgendliches Heißgetränk betrachten. Wer verschiedene Bohnen ausprobiert, unterschiedliche Spezialitäten trinkt und Einstellungen gerne an den eigenen Geschmack anpasst, kann die technischen Möglichkeiten tatsächlich nutzen.

Für den klassischen Zwei-Getränke-Haushalt ist die Sache weniger eindeutig. Wer fast ausschließlich Kaffee und Cappuccino trinkt, dürfte einen Teil der Ausstattung kaum benötigen. Dann stellt sich die Frage, ob der Aufpreis für große Getränkeauswahl, Touchscreen, Profile, automatische Bohnenanpassung und – je nach Modell – zwei Bohnenbehälter gerechtfertigt ist.

Das Besondere am EQ900 iAroma ist deshalb weniger die schiere Zahl von mehr als 40 Getränken. Interessanter ist die Möglichkeit, die Zubereitung einerseits weitgehend automatisch erledigen zu lassen und andererseits ungewöhnlich genau in den Brühvorgang einzugreifen. Die Maschine richtet sich damit an einen Nutzer, der möglichst wenig Aufwand haben möchte, aber trotzdem nicht auf die Möglichkeit verzichten will, seinen Kaffee bis ins Detail zu verändern.

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