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Kaum zu glauben: Die Geschichte des FCKW-freien Kühlschranks

Ein Kühlschrank aus einem früheren DDR-Betrieb schrieb Anfang der 1990er-Jahre Industriegeschichte. Der „Greenfreeze“, entwickelt im sächsischen Scharfenstein gemeinsam mit Greenpeace, war der erste serienreife Haushaltskühlschrank ohne FCKW und ohne FKW. Was zunächst als riskante Außenseiterlösung galt, wurde später zum weltweiten Standard.

Die Geschichte zeigt, wie technische Innovation, Umweltpolitik und die Umbrüche nach der Wiedervereinigung aufeinandertrafen. Sie erzählt aber auch von einem Betrieb, der eine wichtige Entwicklung voranbrachte und trotzdem vom Markt verschwand.

Vom Großbetrieb zur bedrohten Fabrik

Der VEB dkk Scharfenstein gehörte vor der Wende zu den großen Kühlschrankherstellern des Ostblocks. 1989 arbeiteten dort mehr als 5.000 Menschen, die Jahresproduktion lag bei über einer Million Kühl- und Gefriergeräten. Nach der Währungsunion brachen jedoch die traditionellen Absatzmärkte weg. Die Produktion ging zurück, der Betrieb geriet unter Druck, die Treuhand plante zeitweise die Abwicklung.

Gleichzeitig stand die gesamte Kältetechnik vor einem grundlegenden Wandel. Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, galten als wesentlicher Treiber der Zerstörung der Ozonschicht. Die Suche nach Ersatzstoffen lief weltweit. Viele Hersteller setzten damals auf R134a, ein Kältemittel, das die Ozonschicht nicht schädigte, jedoch klimaschädlich war.

Greenpeace sucht eine andere Lösung

Greenpeace warb für einen anderen Weg. Statt neuer synthetischer Kältemittel sollten natürliche Kohlenwasserstoffe wie Propan und Butan eingesetzt werden. Viele westliche Hersteller lehnten diese Lösung zunächst ab. Sie verwiesen auf Sicherheitsrisiken, Effizienzfragen und mangelnde Markttauglichkeit.

In Scharfenstein griff man die Idee dennoch auf. Greenpeace finanzierte zehn Prototypen mit 26.000 D-Mark. Im Werk wurden Kältemittel, Kompressoren, Dämmung und Sicherheitsfragen getestet. 1992 stellten Greenpeace und dkk Scharfenstein den Prototyp vor. Der Name: Greenfreeze.

Das Konzept war technisch ungewöhnlich, aber nicht abwegig. Propan und Butan sind brennbar, wurden im Kühlschrank jedoch nur in kleinen Mengen eingesetzt. Die Geräte wurden entsprechend geprüft. Die Kritik aus Teilen der Branche konnte die Markteinführung nicht verhindern.

Vorbestellungen retten zunächst Arbeitsplätze

Greenpeace begleitete die Entwicklung mit einer bundesweiten Kampagne. Innerhalb weniger Wochen gingen rund 65.000 bis 70.000 Vorbestellungen ein. Dieser Zuspruch veränderte die Lage des bedrohten Betriebs. Die Treuhand rückte von der geplanten Liquidation ab, rund 540 Arbeitsplätze blieben zunächst erhalten.

Am 15. März 1993 lief bei Foron, wie das Unternehmen inzwischen hieß, der erste Greenfreeze vom Band. Es war der erste serienmäßig produzierte Kühlschrank, der ohne FCKW und ohne FKW auskam. Kurz darauf begannen auch große Hersteller, ihre Geräte auf natürliche Kältemittel umzustellen.

Was FCKW und FKW problematisch macht

FCKW und FKW sind synthetische Gase, die lange als Kältemittel, Treibgase und Lösungsmittel verwendet wurden. FCKW schädigen die Ozonschicht, die die Erde vor ultravioletter Strahlung schützt. FKW greifen die Ozonschicht zwar nicht an, wirken aber als starke Treibhausgase.

Der Greenfreeze zeigte, dass Haushaltskühlgeräte auch ohne diese Stoffe funktionieren können. Damit wurde eine Lösung marktfähig, die Umwelt- und Klimaschutz zugleich stärker berücksichtigte als viele damalige Alternativen.

Kein Patent, kein dauerhafter Schutz

Foron meldete die Technik nicht zum Patent an. Das entsprach der Vereinbarung mit Greenpeace: Die Lösung sollte sich ohne Lizenzhürden verbreiten. Für den Umweltschutz war das ein Vorteil, für Foron wirtschaftlich ein Nachteil. Andere Hersteller konnten die Technik übernehmen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen.

Der Vorsprung des sächsischen Unternehmens ließ sich dadurch nicht langfristig sichern. 1996 meldete Foron Insolvenz an. Später wurde der Betrieb übernommen und umgebaut, die Produktion endete schließlich. Die Technik aber blieb.

Was Anfang der 1990er-Jahre noch als gefährlich oder nicht marktfähig galt, wurde innerhalb weniger Jahre zum Standard. Heute arbeiten weltweit Millionen Kühlschränke mit Kohlenwasserstoffen wie Isobutan oder Propan. Im Haushaltsbereich sind natürliche Kältemittel längst etabliert.

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