Schwere Zeiten für die deutsche Küchenbranche: Der Küchenhersteller Brigitte Küchen aus Hiddenhausen hat erneut Insolvenz angemeldet. Für rund 120 Beschäftigte ist die Zukunft damit vorerst ungewiss. Das Unternehmen befindet sich bereits zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren in einem Insolvenzverfahren.
Die H. Frickemeier Möbelwerk GmbH, zu der Brigitte Küchen gehört, stellte am 27. Juli einen Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Belegschaft wurde darüber nach Medienberichten während der laufenden Betriebsferien informiert.
Als einen wichtigen Grund für die erneuten Schwierigkeiten nennt Sachwalter Dr. Frank Kebekus den Krieg im Iran. Dadurch seien zahlreiche Bauprojekte im Nahen Osten gestoppt worden. Für Brigitte Küchen ist das besonders problematisch, weil die Region zu den wichtigen Auslandsmärkten des Unternehmens gehört. Nach Angaben von Kebekus unterhält die Firma dort vier Vertretungen, deren Geschäft derzeit weitgehend zum Erliegen gekommen sei.
Die Folgen machen sich auch bei der Nachfrage nach Küchen bemerkbar. Wenn große Bauvorhaben auf Eis liegen, werden entsprechend weniger Wohnungen und Häuser ausgestattet. Doch nicht nur die Situation im Nahen Osten belastet das Unternehmen. Auch die schwache Baukonjunktur in Deutschland, ausbleibende Bauprojekte und die Zurückhaltung der Verbraucher bei größeren Anschaffungen setzen der Küchenbranche zu.
Für Brigitte Küchen ist es bereits die dritte Insolvenz seit 2020. Das erste Verfahren wurde während der Corona-Pandemie eingeleitet. 2024 geriet das Unternehmen erneut in Schwierigkeiten, nachdem der starke Küchenboom der Pandemie-Jahre abgeflaut war.
Produktion soll weiterlaufen
Trotz der angespannten Lage gibt es weiterhin Hoffnung auf eine Sanierung. Der Investor will an dem Hersteller festhalten. Nach den Betriebsferien soll die Produktion im Werk in Hiddenhausen ab dem 12. August planmäßig fortgesetzt werden.
Auch die Teilnahme an den Herbstmessen im September ist weiterhin vorgesehen. Dort sollen sowohl Brigitte Küchen als auch die zur Unternehmensgruppe gehörende Marke RWK Kuhlmann vertreten sein.
Sachwalter Kebekus sieht nach eigenen Angaben weiterhin Potenzial im Unternehmen. Unter anderem könnten größere Aufträge aus Großbritannien und Asien abgeschlossen werden und damit neue Perspektiven eröffnen.
Brigitte Küchen produziert Einbauküchen in unterschiedlichen Stilrichtungen und bietet darüber hinaus individuell gefertigte Möbel für verschiedene Wohnbereiche an. Ob die geplante Sanierung gelingt und die rund 120 Arbeitsplätze erhalten werden können, ist derzeit allerdings noch offen.
