Die Uhr am Backofen gehört zu den Funktionen in der Küche, die täglich sichtbar sind, aber längst nicht täglich genutzt werden. Meist zeigt sie einfach die Uhrzeit an. Erst beim Backen eines Kuchens, beim Zubereiten eines Bratens oder nach einem Stromausfall fällt auf, dass sich hinter der digitalen Anzeige mehrere Funktionen verbergen. Je nach Modell kann die Uhr nicht nur an eine Garzeit erinnern, sondern den Backofen auch selbstständig ein- und ausschalten.
Moderne Backöfen besitzen dafür verschiedene Zeitprogramme. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller: Mal heißen sie Kurzzeitwecker, Gardauer und Endezeit, mal Timer, Garzeit und Abschaltzeit. Auch die Bedienung ist nicht einheitlich. Während einfache Geräte mit wenigen Tasten arbeiten, lassen sich die Zeitfunktionen bei hochwertigeren Modellen über ein Display auswählen. Was die Programme leisten, lässt sich jedoch grundsätzlich unterscheiden.
Der Kurzzeitwecker funktioniert wie eine Eieruhr
Die bekannteste Funktion ist der Kurzzeitwecker. Er lässt sich unabhängig vom eigentlichen Backofenbetrieb einstellen. Wer beispielsweise einen Kuchen nach 30 Minuten kontrollieren möchte, gibt diese Zeit ein. Nach Ablauf ertönt ein Signal, das an die gewünschte Kontrolle erinnert.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Zeitprogrammen: Der Kurzzeitwecker schaltet den Backofen normalerweise nicht aus. Er funktioniert wie eine gewöhnliche Eieruhr. Das Gerät heizt weiter, bis der Nutzer selbst eingreift oder eine andere Abschaltfunktion aktiviert wird.
Das macht den Kurzzeitwecker auch außerhalb des Backofens nützlich. Er kann daran erinnern, dass die Nudeln im Topf fertig sind, der Hefeteig ausreichend geruht hat oder ein Gericht noch einmal umgerührt werden muss. Bei vielen Backöfen lässt sich der Kurzzeitwecker deshalb auch verwenden, wenn der Garraum überhaupt nicht eingeschaltet ist.
Manche Geräte zeigen während des Countdowns die verbleibenden Minuten und Sekunden an. Bei anderen erscheint die Restzeit erst, wenn eine bestimmte Taste gedrückt wird. Auch die Lautstärke oder Dauer des Signaltons lässt sich bei einigen Modellen verändern.
Die Gar-Dauer schaltet den Backofen automatisch aus
Eine zweite wichtige Funktion ist die Gar-Dauer. Hier legt der Nutzer fest, wie lange der Backofen in Betrieb sein soll. Wird beispielsweise eine Gardauer von 45 Minuten eingestellt, beendet die Steuerung nach Ablauf dieser Zeit den Heizvorgang.
Das ist beim Backen und Braten praktisch, weil Speisen nicht unbegrenzt weiter erhitzt werden, wenn man das Ausschalten vergisst. Allerdings bedeutet das automatische Ende der Heizfunktion nicht, dass die Speisen sofort abkühlen. Im Backofen bleibt Restwärme zurück, die den Garvorgang noch eine gewisse Zeit fortsetzt.
Die Gardauer eignet sich deshalb vor allem für Gerichte, deren Zubereitungszeit gut bekannt ist. Bei einem Braten, dessen Garzustand stark von Größe, Form und Ausgangstemperatur abhängt, ist eine feste Zeit allein weniger zuverlässig. Hier kann ein Bratenthermometer sinnvoller sein.
Bei vielen Geräten erscheint nach Ablauf der Gardauer zusätzlich ein akustisches Signal. Dieses muss häufig quittiert werden. Teilweise schaltet die Steuerung anschließend in einen Bereitschaftszustand, während bei älteren Backöfen zunächst wieder der manuelle Betriebsmodus ausgewählt werden muss.
Mit der Endzeit lässt sich das Abendessen vorausplanen
Eine weitere Funktion ist die Endzeit beziehungsweise Abschaltzeit. Sie legt fest, zu welchem Zeitpunkt ein Garvorgang beendet werden soll. Wer beispielsweise möchte, dass ein Auflauf um 19 Uhr fertig ist, kann bei geeigneten Geräten diese Uhrzeit eingeben.
Besonders interessant wird die Funktion in Verbindung mit der Gardauer. Angenommen, es ist 16 Uhr, der Auflauf benötigt 45 Minuten und soll um 18.30 Uhr fertig sein. Dann berechnet der Backofen aus den beiden Angaben den notwendigen Beginn des Heizbetriebs.
Der Nutzer muss damit nicht selbst daran denken, den Backofen einzuschalten. Vorausgesetzt ist allerdings, dass der Backofen über eine entsprechende Startzeitvorwahl verfügt und alle erforderlichen Einstellungen vorgenommen wurden.
Nicht jede Speise eignet sich für einen verzögerten Start. Rohes Fleisch, Fisch oder andere leicht verderbliche Lebensmittel dürfen nicht über längere Zeit ungekühlt im Garraum stehen. Auch Hefeteig kann bei längerer Wartezeit übergehen. Die Zeitvorwahl ist deshalb vor allem für Lebensmittel sinnvoll, bei denen ein längeres Stehen vor Beginn des Garens hygienisch unproblematisch ist.
Welche zusätzlichen Zeitfunktionen moderne Backöfen haben
Bei neueren Backöfen sind die Möglichkeiten nicht auf Kurzzeitwecker, Gardauer und Endzeit beschränkt. Einige Modelle besitzen eine Startzeitvorwahl, bei der der gewünschte Beginn des Heizbetriebs unmittelbar festgelegt werden kann. Andere erlauben es, mehrere aufeinanderfolgende Garschritte zu programmieren, etwa zunächst eine höhere Temperatur zum Anbraten und anschließend eine niedrigere zum Fertiggaren.
Daneben gibt es Backöfen mit einer Schnellaufheizfunktion, die das Erreichen der eingestellten Temperatur beschleunigt. Diese Funktion ist allerdings kein gewöhnlicher Timer. Manche Geräte zeigen lediglich die verbleibende Zeit bis zum Abschluss des Aufheizens an oder geben ein Signal, sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist.
Komfortablere Backöfen können außerdem die voraussichtliche Restgarzeit anzeigen. Bei entsprechenden Automatikprogrammen wird sie teilweise anhand von Sensorwerten oder der eingestellten Betriebsart berechnet und während des Garens angepasst. Bei Geräten mit integriertem Bratenthermometer lässt sich der Garvorgang auch über eine gewünschte Kerntemperatur statt über eine feste Zeit beenden.
Hinzu kommen bei vernetzten Geräten Funktionen zur Steuerung über das Smartphone. Je nach Hersteller und Modell können Nutzer dort Timer einstellen, den Garfortschritt verfolgen oder eine Benachrichtigung erhalten, wenn ein Programm beendet ist. Das ferngesteuerte Einschalten unterliegt allerdings aus Sicherheitsgründen häufig besonderen Voraussetzungen.
Die Uhr bildet bei solchen Geräten einen Teil einer umfangreicheren elektronischen Steuerung. Ihre Aufgaben reichen dann weit über das Anzeigen der Tageszeit hinaus.
Was bedeutet das blinkende Uhrsymbol nach einem Stromausfall?
Bei manchen Backöfen muss die Uhrzeit nach einer Unterbrechung der Stromversorgung neu eingestellt werden. Nach einem Stromausfall oder dem erstmaligen Anschluss zeigt das Display dann beispielsweise 0.00 oder 12.00 Uhr an. Häufig blinkt zusätzlich ein Uhrsymbol.
Bei einigen Geräten lässt sich der Backofen erst wieder normal verwenden, wenn die Uhrzeit eingestellt oder eine automatische Zeitfunktion zurückgesetzt wurde. Der Grund liegt in der Steuerungselektronik: Sie benötigt einen definierten Betriebszustand, bevor bestimmte Heizprogramme freigegeben werden.
Andere Modelle arbeiten auch ohne eingestellte Uhrzeit. Wieder andere speichern die Zeit während kurzer Stromunterbrechungen oder synchronisieren sie bei bestehender Internetverbindung automatisch.
Wenn ein Backofen nach einem Stromausfall nicht heizt, muss deshalb nicht zwangsläufig ein technischer Defekt vorliegen. Zunächst sollte geprüft werden, ob die Uhr blinkt, ein Automatikprogramm aktiviert ist oder der manuelle Betrieb wiederhergestellt werden muss.
Warum die Uhrzeit oft so umständlich einzustellen ist
Dass sich die Uhrzeit bei manchen Backöfen nur schwer ändern lässt, hängt mit der mehrfachen Belegung der Bedienelemente zusammen. Wenige Tasten steuern häufig eine ganze Reihe unterschiedlicher Funktionen. Je nachdem, welches Symbol ausgewählt ist, verändern Plus- und Minustaste entweder die aktuelle Uhrzeit, eine Gardauer oder eine gewünschte Abschaltzeit.
Bei manchen Geräten muss die Uhrtaste mehrfach gedrückt werden, bis das richtige Symbol erscheint. Andere verlangen, dass zwei Tasten gleichzeitig betätigt oder eine Taste einige Sekunden gedrückt gehalten wird. Bei Geräten mit Drehregler wird die Zeit teilweise über das Bedienmenü eingestellt.
Die halbjährliche Zeitumstellung macht diese Unterschiede besonders deutlich. Wer die Uhrzeit nur im Frühjahr und Herbst verändert, hat die jeweilige Tastenkombination bis dahin leicht wieder vergessen. Eine allgemeingültige Vorgehensweise gibt es nicht. Maßgeblich ist die Bedienungsanleitung des jeweiligen Backofens.
Bei älteren Geräten kann auch eine versehentlich aktivierte Automatikfunktion für Verwirrung sorgen. Wenn der Backofen plötzlich nicht mehr heizt, obwohl eine Temperatur eingestellt wurde, lohnt sich ein Blick auf die Symbole im Display.
Ist die Uhr für das Kochen überhaupt notwendig?
Für das eigentliche Erhitzen von Speisen ist eine Uhr technisch nicht erforderlich. Ein Backofen kann auch ohne digitale Zeitanzeige funktionieren. Das zeigen ältere Modelle mit mechanischen Schaltern, bei denen die Temperatur eingestellt und der Garvorgang von Hand beendet wird.
Die Zeitschaltfunktionen erweitern vor allem die Möglichkeiten der Bedienung. Der Kurzzeitwecker hilft beim Einhalten von Rezeptangaben, die Gardauer verhindert ein unbeabsichtigtes Weiterheizen und die Endzeitfunktion erleichtert die Planung. Gerade bei längeren Garzeiten können diese Funktionen nützlich sein.
Beim Kochfeld sind die Möglichkeiten häufig getrennt organisiert. Moderne Induktions- und Cerankochfelder besitzen teilweise eigene Abschalttimer für einzelne Kochzonen. So kann beispielsweise eine Kochzone nach einer festgelegten Zeit automatisch ausgeschaltet werden, während andere weiterarbeiten. Mit der Uhr im Backofen muss diese Funktion nicht verbunden sein.
Ob sich die Uhr am Küchenherd lohnt, hängt deshalb wesentlich davon ab, wie das Gerät genutzt wird. Wer ohnehin mit einer separaten Eieruhr arbeitet und den Backofen stets von Hand ausschaltet, wird viele Programme kaum benötigen. Wer regelmäßig backt oder Gerichte zu einer bestimmten Uhrzeit fertig haben möchte, kann dagegen von der automatischen Zeitsteuerung profitieren.
Die unscheinbare Digitalanzeige ist damit weit mehr als eine zusätzliche Küchenuhr. Sie dient als Kurzzeitwecker, steuert Garzeiten und kann den Heizbetrieb automatisch beenden oder zu einem vorausberechneten Zeitpunkt starten. Welche dieser Möglichkeiten tatsächlich vorhanden sind, bestimmt das jeweilige Gerätemodell. Ein Blick in die Bedienungsanleitung lohnt sich deshalb nicht nur bei der nächsten Zeitumstellung.
