Wohin mit dem Getränkevorrat, der Küchenmaschine, dem Staubsauger und den großen Töpfen? Gerade in offenen Wohnküchen fehlt häufig Platz für alles, was im Alltag gebraucht wird, aber nicht ständig sichtbar sein soll. Ein neuer Trend in der Küchenplanung schafft Abhilfe: Hinter raumhohen Schrankfronten verschwindet ein kompletter Hauswirtschaftsraum.
Dort lassen sich Lebensmittel lagern, Küchengeräte unterbringen und zusätzliche Arbeitsflächen einrichten. Die eigentliche Küche bleibt aufgeräumt, ohne dass ihre Bewohner auf Stauraum und Funktionalität verzichten müssen. Das geheime Hinterzimmer.
Der entscheidende Trick ist der nahezu unsichtbare Zugang. Die Tür zum Nebenraum wird so in eine Hochschrankwand integriert, dass sie im geschlossenen Zustand wie eine gewöhnliche Küchenfront aussieht.
Hersteller wie next125 und Nobilia greifen dieses Konzept auf. Damit reagieren sie auf einen Wandel in der Küchenplanung: Wo Kochen, Essen und Wohnen ineinander übergehen, soll die Küche möglichst wohnlich wirken. Der praktische Teil des Haushalts verschwindet hinter einer Tür.
Next125 lässt den Durchgang in einer Eichenholzfront verschwinden
Wie konsequent sich das Prinzip umsetzen lässt, zeigt next125 mit der Holzfront nx640 in der Ausführung F635 „Eiche elegant weiß“. Eine großflächige Schrankwand erscheint auf den ersten Blick als geschlossenes Möbelstück. Tatsächlich verbergen sich zwischen den Fronten Durchgangstüren, die Zugang zu einem dahinterliegenden Raum bieten.
Die Gestaltung folgt einem einfachen Prinzip: Je weniger sich der Türbereich von den benachbarten Schränken unterscheidet, desto überzeugender wirkt die Illusion. Material, Maserung und senkrechte Fugen müssen aufeinander abgestimmt sein. Sichtbare Türzargen oder auffällige Beschläge würden den Effekt beeinträchtigen.
Bei next125 öffnen sich die Türen nach innen. Das ist nicht nur eine gestalterische Entscheidung, sondern hat praktische Vorteile. Steht unmittelbar vor der Schrankwand eine Kochinsel oder ein Esstisch, benötigt eine nach innen öffnende Tür keinen zusätzlichen Bewegungsraum in der Küche.
Der Hersteller bietet die Durchgangslösung in unterschiedlichen Abmessungen an, darunter einflügelige und zweiflügelige Varianten. So kann der Zugang an den Grundriss und die geplante Nutzung angepasst werden. Die Türen bilden dabei einen Teil der Küchenarchitektur und nicht bloß einen nachträglich eingebauten Durchgang.
Auch andere Hersteller setzen auf dieses Prinzip. Nobilia beispielsweise integriert entsprechende Durchgangstüren in seine Hauswirtschaftsraum-Konzepte. Der gestalterische Gedanke ist derselbe: Die Schrankfront bildet eine ruhige Fläche, während der eigentliche Arbeits- und Lagerbereich aus dem Blickfeld verschwindet.
Vorratskammer oder zweite Küche: Was hinter der Tür möglich ist
Der größte Nutzen liegt in der Entlastung der sichtbaren Küche. Wer häufig kocht, benötigt Platz für Lebensmittel, Vorratsbehälter, Backformen, Küchengeräte und Reinigungsmittel. In gewöhnlichen Einbauküchen konkurrieren all diese Dinge um denselben Stauraum.
Eine begehbare Vorratskammer kann das Problem entschärfen. Regale entlang der Wände bieten Platz für haltbare Lebensmittel, Getränkekisten und selten verwendete Geräte. Durch offene Regalböden lassen sich Vorräte leichter überblicken als in tiefen Küchenschränken, in denen Lebensmittel häufig hintereinander verschwinden.
Noch weiter geht die Idee einer zweiten, kleineren Arbeitsküche. Dort können Kaffeemaschine, Küchenmaschine oder andere Geräte dauerhaft stehen bleiben. Auch eine zusätzliche Arbeitsplatte für die Vorbereitung von Speisen ist möglich. Die offene Wohnküche dient dann vor allem dem eigentlichen Kochen, Essen und Zusammensein.
International wird dieses Konzept häufig als Back Kitchen bezeichnet. Gemeint ist ein Nebenraum, in dem jene Arbeiten stattfinden, die in einer offenen Küche schnell für Unordnung sorgen. Gemüse kann dort vorbereitet werden, Geschirr muss nicht sofort weggeräumt werden, und sperrige Geräte benötigen keinen Platz auf der sichtbaren Arbeitsplatte.
Auch als klassischer Hauswirtschaftsraum lässt sich der Bereich nutzen. Waschmaschine, Trockner, Staubsauger und Putzutensilien können dort untergebracht werden. Allerdings müssen dafür passende Anschlüsse und eine ausreichende Belüftung vorhanden sein. Nicht jede ehemalige Abstellkammer eignet sich ohne Umbau für wasserführende Haushaltsgeräte.
Entscheidend sind kurze Wege. Eine Vorratskammer unmittelbar neben der Küche ist praktisch, weil Lebensmittel und Geräte schnell erreichbar bleiben. Liegt der Nebenraum dagegen ungünstig, kann die vermeintliche Erleichterung im Alltag zusätzliche Laufwege verursachen.
Die Planung entscheidet, ob der Bonusraum funktioniert
Eine versteckte Durchgangstür allein schafft noch keinen zusätzlichen Platz. Der Raum dahinter muss bereits vorhanden sein oder durch einen Umbau entstehen. Besonders einfach lässt sich das Konzept deshalb in Neubauten verwirklichen. Dort können Küchenzeile, Durchgang und Nebenraum von Anfang an aufeinander abgestimmt werden.
In bestehenden Häusern kommt es auf den Grundriss an. Eine angrenzende Abstellkammer lässt sich möglicherweise in das Küchenkonzept integrieren. Soll dagegen eine neue Wandöffnung geschaffen werden, muss zunächst geklärt werden, ob die Wand tragend ist. Solche Eingriffe erfordern gegebenenfalls eine statische Prüfung und baurechtliche Abstimmung.
Auch die Türbreite verdient Aufmerksamkeit. Getränkekisten lassen sich durch einen schmalen Durchgang noch problemlos transportieren. Wer allerdings Waschmaschine, Trockner oder größere Möbel in den Raum bringen möchte, benötigt mehr Platz.
Hinzu kommt die Bewegungsfläche hinter der Tür. Ein dicht mit Regalen ausgestatteter Vorratsraum kann schnell unpraktisch werden, wenn sich Schubladen nicht vollständig öffnen lassen oder größere Gegenstände den Durchgang blockieren.
Die technische Ausstattung sollte deshalb ebenso sorgfältig geplant werden wie die sichtbare Küchenfront. Für eine Vorratskammer ist eine gute Beleuchtung wichtig. Werden dort elektrische Geräte betrieben, müssen ausreichend Steckdosen vorhanden sein. Eine zweite Spüle erfordert Wasser- und Abwasseranschlüsse.
Bei der Lagerung von Lebensmitteln spielt außerdem das Raumklima eine Rolle. Vorräte sollten möglichst trocken und nicht unnötig warm aufbewahrt werden. Ein fensterloser, schlecht belüfteter Raum kann dafür ungeeignet sein. Stehen dort zusätzlich Waschmaschine und Trockner, muss die entstehende Feuchtigkeit zuverlässig abgeführt werden.
Nicht zuletzt muss die Tür selbst alltagstauglich sein. Große Küchenfronten können ein erhebliches Gewicht haben. Scharniere, Rahmen und Beschläge müssen für die regelmäßige Nutzung ausgelegt sein, damit die Tür auch nach Jahren noch sauber schließt und ihre Position innerhalb der Schrankwand behält.
Nicht jede Küche braucht einen versteckten Nebenraum
So attraktiv das Konzept aussieht, es setzt genügend Wohnfläche und ein entsprechendes Budget voraus. Neben der besonderen Türlösung entstehen Kosten für Regale, Beleuchtung und möglicherweise zusätzliche Arbeitsplatten oder Haushaltsgeräte. Werden Wände verändert und neue Anschlüsse verlegt, kann der Aufwand erheblich steigen.
In kleinen Wohnungen ist ein eigener Hauswirtschaftsraum deshalb nicht immer die wirtschaftlichste Lösung. Dort kann es sinnvoller sein, vorhandene Schränke besser auszunutzen. Hochschränke mit Innenauszügen, ausziehbare Vorratssysteme oder spezielle Schranklösungen für Küchengeräte schaffen ebenfalls Ordnung, ohne einen separaten Raum zu benötigen.
Eine Alternative sind sogenannte Pocket Doors. Dabei verschwinden Schranktüren beim Öffnen seitlich im Möbelkorpus. Hinter ihnen können beispielsweise eine Kaffeemaschine, ein kleiner Arbeitsplatz oder zusätzliche Küchenregale verborgen sein. Anders als bei einer Durchgangstür entsteht dadurch allerdings kein eigenständiger Raum.
Für größere Küchen und offene Wohnbereiche kann sich die getrennte Organisation dagegen auszahlen. Die sichtbare Küche benötigt weniger Schränke und Arbeitsflächen, weil ein Teil der Funktionen ausgelagert wird. Das kann auch bei der Gestaltung Vorteile bringen: Statt einer Vielzahl von Oberschränken genügt möglicherweise eine ruhige Hochschrankwand in Verbindung mit einer großzügigen Kochinsel.
Die versteckte Tür ist damit mehr als ein gestalterischer Effekt. Sie ermöglicht eine klare Trennung zwischen dem repräsentativen Wohnbereich und den praktischen Arbeiten des Haushalts. Ob sich dafür eine hochwertige Eichenholzfront wie bei next125 eignet oder eine schlichtere Oberfläche gewählt wird, hängt vom Budget und vom gewünschten Einrichtungsstil ab.
Der eigentliche Luxus besteht ohnehin nicht darin, dass Besucher die Tür zunächst übersehen. Er liegt darin, dass Vorräte, Geräte und alltägliche Unordnung einen festen Platz bekommen, ohne den offenen Wohnraum zu bestimmen. Voraussetzung ist allerdings eine Planung, die nicht bei der schönen Schrankwand endet, sondern den Raum dahinter ebenso ernst nimmt.
