Der Wasserfilter muss nicht immer auf der Küchenarbeitsplatte stehen. Manche Systeme verschwinden fast vollständig aus dem Blickfeld: Unter der Spüle sitzt eine Filterkartusche, oben am Becken befindet sich ein kleiner zusätzlicher Wasserhahn. Wer dort Wasser zapft, bekommt es zuvor durch den Filter geschickt.
Das klingt zunächst nach einer unsichtbaren Version des klassischen Tischwasserfilters. Technisch ist ein Untertischsystem allerdings etwas anders aufgebaut – und vor allem bequemer im Alltag.
Wie funktioniert ein Untertisch-Wasserfilter?
Das Prinzip ist schnell erklärt: Das Leitungswasser wird unter der Spüle durch eine oder mehrere Filterstufen geleitet. Erst danach gelangt es zum separaten Auslauf.
Je nach System kommen unterschiedliche Filtertechniken zum Einsatz. Häufig werden Aktivkohlefilter verwendet. Sie können unter anderem bestimmte organische Verbindungen, Chlor und Stoffe reduzieren, die den Geschmack oder Geruch des Wassers beeinflussen.
Andere Systeme arbeiten zusätzlich mit Membranen. Bei einer Umkehrosmose wird das Wasser beispielsweise durch eine sehr feine Membran gepresst. Dabei lassen sich wesentlich mehr gelöste Stoffe zurückhalten als mit einem einfachen Aktivkohlefilter.
Damit ist allerdings auch klar: Untertisch-Wasserfilter ist nicht gleich Untertisch-Wasserfilter.
Warum gibt es einen zweiten Wasserhahn?
Bei vielen Anlagen wird nicht das gesamte Leitungswasser der Küche gefiltert. Stattdessen wird ein separater kleiner Auslauf installiert.
Das hat einen praktischen Grund: Zum Spülen von Geschirr oder Händewaschen braucht man in der Regel kein gefiltertes Wasser. Das gefilterte Wasser wird dort eingesetzt, wo es tatsächlich getrunken oder zum Kochen verwendet wird.
Je nach Anlage kann der zusätzliche Hahn neben der normalen Küchenarmatur sitzen oder direkt in eine passende Armatur integriert sein.
Der große Vorteil: Der Filter verschwindet aus dem Alltag
Ein Untertischsystem ist vor allem bequem. Niemand muss jedes Mal eine Kanne füllen, warten, bis das Wasser durchgelaufen ist, und anschließend die Kartusche in den Kühlschrank stellen. Das gefilterte Wasser kommt direkt aus dem Hahn.
Auch optisch bleibt die Küche aufgeräumt. Auf der Arbeitsplatte steht kein zusätzlicher Wasserbehälter. Für Haushalte, die regelmäßig größere Mengen gefiltertes Wasser trinken, kann das ein erheblicher Komfortgewinn sein.
Aber was wird eigentlich herausgefiltert?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist der verwendete Filter.
Ein Aktivkohlefilter kann beispielsweise bestimmte Geschmacks- und Geruchsstoffe reduzieren. Andere Systeme sind darauf ausgelegt, zusätzlich bestimmte Schwermetalle oder weitere unerwünschte Stoffe zu verringern.
Umgekehrt kann ein Filter auch Mineralstoffe reduzieren. Bei einer Umkehrosmose ist die Wirkung besonders umfassend: Neben unerwünschten Stoffen werden auch Mineralien wie Calcium und Magnesium weitgehend entfernt.
Wer einen Filter kauft, sollte deshalb nicht nur auf die Aufschrift „Wasserfilter“ achten, sondern darauf, welche Stoffe das konkrete System nachweislich reduziert.
Macht ein Untertischfilter Leitungswasser automatisch besser?
In Deutschland wird Trinkwasser streng kontrolliert und muss die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Ein Filter ist deshalb nicht automatisch notwendig, nur weil er das Wasser zusätzlich behandelt.
Er kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise Geschmack oder Geruch stören oder wenn eine bestimmte Substanz gezielt reduziert werden soll. Wer allerdings keine konkrete Ursache hat, die ihn stört, braucht nicht zwingend eine zusätzliche Filterstufe.
Ein Wasserfilter ist schließlich kein Qualitätsstempel für schlechtes Leitungswasser.
Und was ist mit Kalk?
Nicht jeder Untertischfilter ist ein Entkalker. Ein einfacher Aktivkohlefilter verändert die Wasserhärte normalerweise nicht wesentlich. Wer also vor allem die Kalkablagerungen im Wasserkocher reduzieren möchte, benötigt gegebenenfalls eine andere Filtertechnik.
Umgekehrt kann ein System, das Calcium und Magnesium stark reduziert, das Wasser tatsächlich deutlich weicher machen. Das kann für bestimmte Anwendungen angenehm sein, verändert aber auch die Zusammensetzung des Wassers.
Der Filter muss regelmäßig gewechselt werden
Der größte Nachteil eines Untertischsystems sitzt ebenfalls unter der Spüle: die Filterkartusche.
Sie hat eine begrenzte Kapazität und muss nach Herstellerangaben regelmäßig gewechselt werden. Wer den Wechsel hinauszögert, spart am falschen Ende. Ein Filter, der seine Kapazität erreicht hat, erfüllt seine Aufgabe möglicherweise nicht mehr zuverlässig.
Bei der Kaufentscheidung sollte deshalb nicht nur der Preis der Anlage betrachtet werden. Entscheidend sind auch die laufenden Kosten für Kartuschen, Membranen und gegebenenfalls Wartung.
Unter der Spüle wird es technisch
Bei manchen Anlagen ist der Einbau unkompliziert und kann mit vorhandenen Anschlüssen erfolgen. Andere Systeme benötigen einen zusätzlichen Wasserhahn, spezielle Leitungen oder einen Abwasseranschluss.
Besonders Umkehrosmoseanlagen sind technisch aufwendiger. Je nach Konstruktion entsteht bei der Filterung außerdem sogenanntes Konzentrat, das nicht als Trinkwasser genutzt wird und abgeführt werden muss.
Wer zur Miete wohnt, sollte deshalb vor einem aufwendigeren Einbau klären, ob Veränderungen an der Kücheninstallation zulässig sind.
Für wen lohnt sich ein Untertischfilter?
Wer einfach nur gelegentlich ein Glas Wasser trinkt, wird mit einem solchen System kaum einen entscheidenden Vorteil gegenüber Leitungswasser haben.
Interessanter wird es für Haushalte, die täglich viel gefiltertes Wasser verwenden, den Geschmack des Leitungswassers verbessern möchten oder einen bestimmten Stoff gezielt reduzieren wollen. Auch wer keine Filterkanne auf der Arbeitsplatte stehen haben möchte, dürfte die fest installierte Lösung schätzen.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: „Welcher Untertischfilter ist der beste?“
Sondern: Was soll er aus meinem Wasser entfernen?
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich entscheiden, welche Filtertechnik überhaupt sinnvoll ist.
Ein Untertisch-Wasserfilter macht aus der Küchenarmatur gewissermaßen eine kleine Aufbereitungsstation. Das Wasser wird unter der Spüle durch eine oder mehrere Filterstufen geleitet und anschließend über einen separaten oder integrierten Auslauf abgegeben.
Der größte Vorteil liegt im Komfort: kein Filterkrug, kein Warten, kein zusätzliches Gefäß auf der Arbeitsplatte. Der entscheidende Unterschied zwischen den Systemen steckt allerdings in der Filtertechnik. Aktivkohle, Membranfilter und Umkehrosmose können sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Deshalb gilt auch hier: Nicht der Filter mit den meisten Versprechen ist automatisch der sinnvollste. Gute Wasseraufbereitung beginnt mit einer viel unspektakuläreren Frage – nämlich damit, was im eigenen Wasser überhaupt verändert werden soll.
