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Pumpkin Spice: Wie ein Kürbisgewürz den Herbst erobert

Der Herbst hat einen neuen Geschmack. Er heißt Pumpkin Spice und begegnet einem inzwischen nicht mehr nur im Café, sondern auch im Supermarkt und in der Drogerie. Es gibt Pumpkin-Spice-Agavensirup, Pancakes, Popcorn, Mandelcreme und Knuspermüsli. Selbst gewöhnlicher Kaffee lässt sich mit wenigen Handgriffen in ein herbstliches Trendgetränk verwandeln. Was früher vor allem nach Zimt und Lebkuchen duftete, trägt heute einen englischen Namen und wird mit kleinen orangefarbenen Kürbissen beworben.

Die Auswahl wächst, obwohl sich hinter Pumpkin Spice keine besonders ausgefallene Zutat verbirgt. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Mischung aus Gewürzen, die in vielen Küchen längst vorhanden sind. Zimt, Ingwer, Muskatnuss und Nelken bilden die Grundlage. Was sich verändert hat, ist die Vermarktung. Aus dem amerikanischen Kürbiskuchengewürz ist ein saisonaler Geschmack geworden, der vom Frühstück bis zum Nachtisch nahezu jedes Lebensmittel erreichen kann.

Was steckt eigentlich in Pumpkin Spice?

Der Name führt zunächst in die Irre. Pumpkin bedeutet Kürbis, doch klassisches Pumpkin Spice enthält üblicherweise keinen Kürbis. Die Mischung stammt aus der amerikanischen Backtradition und ist vor allem als Gewürz für Pumpkin Pie bekannt, einen süßen Kürbiskuchen, der in den USA besonders im Herbst und rund um Thanksgiving gegessen wird.

Die Gewürze sollen den milden, leicht süßlichen Geschmack des Kürbisses ergänzen. Typisch sind Zimt, Ingwer, Muskatnuss und Nelken, häufig auch Piment. Je nach Hersteller kommen Kardamom, Vanille oder andere aromatische Zutaten hinzu. Eine verbindliche Rezeptur gibt es nicht.

Entsprechend unterschiedlich fallen die Produkte aus. Die Bio-Gewürzmischung von Lebensbaum enthält beispielsweise 67 Prozent Zimt sowie Ingwer, Muskatnuss, Piment, Kardamom, Nelken, Vanille und Orange. Beim Pumpkin Spice von dmBio sieht die Zusammensetzung anders aus: Die Mischung enthält 71 Prozent Kürbispulver. Erst danach folgen Zimt, Muskatnuss, Nelken, Ingwer und Piment. <Cite refs={[„turn981845search5″,“turn981845search0“]}/>

Das ist keineswegs nur eine geschmackliche Kleinigkeit. Wer eine kräftige Gewürzmischung für Kaffee oder Gebäck erwartet, erhält je nach Produkt sehr unterschiedliche Ergebnisse. Auch die Verbraucherzentrale hat sich bereits mit der dmBio-Mischung beschäftigt und darauf hingewiesen, dass ein derart hoher Kürbispulveranteil für Pumpkin Spice ungewöhnlich ist. <Cite ref=“turn981845search10″/>

Von der amerikanischen Kuchentradition zum Pumpkin Spice Latte

Dass die Gewürzmischung inzwischen weltweit bekannt ist, hängt wesentlich mit einem Getränk zusammen: dem Pumpkin Spice Latte. Die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks brachte ihn 2003 auf den Markt und machte ihn über die Jahre zu einem festen Bestandteil ihres Herbstgeschäfts.

Die Kombination ist einfach. Espresso wird mit Milch und einer süßen Kürbis-Gewürzsauce vermischt. Häufig kommen Schlagsahne und eine weitere Prise Pumpkin Spice hinzu. Das Ergebnis ist weniger ein gewöhnlicher Milchkaffee als vielmehr ein süßes Kaffeegetränk mit deutlichen Zimt- und Gewürznoten.

Inzwischen gibt es zahlreiche Varianten. Starbucks bietet neben dem klassischen Pumpkin Spice Latte unter anderem eine Version auf Eis, Frappuccinos und einen Pumpkin Spice Caramel Macchiato an. Die saisonale Einführung der Getränke gehört mittlerweile zum festen Jahresrhythmus der Kette. <Cite ref=“turn981845search1″/>

Bemerkenswert ist dabei die zeitliche Verschiebung. Während Kürbisse traditionell im September und Oktober geerntet werden, beginnt die Vermarktung des Herbstgeschmacks häufig schon im Spätsommer. Pumpkin Spice ist längst nicht mehr nur ein Gewürz, sondern auch ein Signal, dass die nächste Konsumsaison begonnen hat.

Pumpkin-Spice-Pancakes, Popcorn und Mandelcreme

Längst beschränkt sich der Trend nicht mehr auf Kaffee. Besonders deutlich wird das in den saisonalen Sortimenten der Drogeriemärkte. Bei dm gibt es beispielsweise eine Pumpkin-Spice-Pancake-Mischung mit Dinkelmehl. Die 135-Gramm-Packung kostet 2,65 Euro. Daneben steht ein Pumpkin-Spice-Agavensirup, mit dem sich Getränke, Porridge und Desserts aromatisieren lassen. Eine 250-Milliliter-Flasche wird für 2,95 Euro angeboten.

Auch Popcorn hat den Herbstgeschmack angenommen. Die 90-Gramm-Packung Pumpkin-Spice-Popcorn von dmBio kostet 1,75 Euro. Bei Rossmann findet sich ein Pumpkin Spice Crunchy als Frühstücksmüsli. Hinzu kommen Kreationen aus dem Feinkosthandel, bei denen Popcorn mit Karamell und Kürbisgewürzen überzogen wird.

Selbst Mandelmus lässt sich auf diese Weise saisonal aufwerten. KoRo bietet eine gesüßte Mandelcreme mit Pumpkin Spice an. Interessant ist der Blick auf die Zutatenliste: Der Anteil der eigentlichen Pumpkin-Spice-Gewürzmischung beträgt lediglich 0,6 Prozent. Der Geschmack entsteht also vor allem durch die Kombination aus gerösteten Mandeln, Kokosblütenzucker und Gewürzen.

Die Beispiele zeigen, wie vielseitig sich das Aroma einsetzen lässt. Zimt, Ingwer und Muskatnuss passen zu süßem Gebäck, gerösteten Nüssen, Frühstücksflocken und Milchgetränken. Dafür braucht es nicht unbedingt Kürbis. Häufig genügt eine kleine Gewürzmenge, um einem bekannten Produkt eine herbstliche Geschmacksrichtung zu geben.

Neun Gramm Pumpkin Spice für 95 Cent

Besonders interessant wird der Trend bei den Gewürzmischungen selbst. Wer zu Hause einen Pumpkin Spice Latte zubereiten möchte, kann eine fertige Mischung kaufen. Bei dmBio werden neun Gramm für 95 Cent angeboten. Das klingt nach wenig Geld. Auf ein Kilogramm hochgerechnet ergibt sich allerdings ein Preis von 105,56 Euro.

Andere Anbieter verlangen noch mehr. Eine Neun-Gramm-Packung von Lebensbaum kostet beispielsweise 1,69 Euro. Das entspricht einem Kilopreis von 187,78 Euro.

Solche Grundpreise erinnern auf den ersten Blick an kostspielige Spezialitäten. Mit echtem Safran lässt sich Pumpkin Spice dennoch nicht ernsthaft gleichsetzen. Das kostbare Gewürz aus den Blütennarben des Safrankrokus kostet pro Kilogramm in der Regel ein Vielfaches der genannten Beträge.

Dass Pumpkin Spice trotzdem vergleichsweise teuer erscheint, liegt auch an den winzigen Packungsgrößen. Neun Gramm reichen zwar für zahlreiche Tassen Kaffee oder einige Backrezepte. Bezahlt werden aber nicht nur die enthaltenen Gewürze, sondern auch das Mischen, Abfüllen, Verpacken und Vermarkten.

Die Grundpreisangabe macht sichtbar, wie stark sich der Preis verändert, wenn einfache Gewürze in kleinen, saisonal gestalteten Portionen angeboten werden. Wer regelmäßig damit backt, dürfte deshalb mit einer selbst gemischten größeren Menge günstiger fahren.

Pumpkin Spice lässt sich leicht selbst mischen

Für eine eigene Gewürzmischung braucht es nicht viele Zutaten. Eine mögliche Zusammenstellung besteht aus vier Teelöffeln gemahlenem Zimt, zwei Teelöffeln Ingwer, einem Teelöffel Muskatnuss und jeweils einem halben Teelöffel gemahlenen Nelken und Piment.

Die Zutaten werden gründlich vermischt und anschließend in einem gut verschlossenen Gewürzglas aufbewahrt. Wer das Aroma etwas milder mag, kann den Nelkenanteil reduzieren. Kardamom oder eine kleine Menge Vanille passen ebenfalls dazu.

Für einen selbst gemachten Pumpkin Spice Latte wird zunächst ein Espresso zubereitet. In etwa 200 Milliliter heiße Milch kommen eine kleine Prise der Gewürzmischung und nach Geschmack etwas Zucker, Honig oder Sirup. Anschließend wird die Milch aufgeschäumt und mit dem Espresso vermischt. Wer einen deutlicheren Kürbisgeschmack möchte, kann zusätzlich etwas fein pürierten, gegarten Kürbis verwenden.

Bei der Dosierung ist Zurückhaltung sinnvoll. Insbesondere Nelken und Muskatnuss können schnell dominant werden. Für eine Tasse genügt meist eine kleine Messerspitze bis ein Viertel Teelöffel der fertigen Mischung. Da die Gewürze sich nicht vollständig auflösen, können sich am Boden des Getränks außerdem Rückstände absetzen.

Wie viel Kürbis steckt im Herbsttrend?

Die Bezeichnung Pumpkin Spice sagt wenig darüber aus, ob ein Lebensmittel tatsächlich Kürbis enthält. Bei manchen Produkten wird Kürbispulver oder Kürbispüree verarbeitet. Andere erhalten ihren charakteristischen Geschmack ausschließlich durch Gewürze oder Aromen.

Das ist rechtlich nicht grundsätzlich problematisch. Pumpkin Spice bezeichnet traditionell eine Geschmacksrichtung beziehungsweise eine Gewürzmischung und nicht zwingend ein Lebensmittel mit Kürbisanteil. Für Verbraucher ist deshalb die Zutatenliste aussagekräftiger als der Name auf der Verpackung.

Ähnliches gilt für den Zuckergehalt. Ein Pumpkin Spice Latte oder ein süßes Crunchy-Müsli ist nicht automatisch gesünder, weil die Verpackung Kürbisse zeigt oder mit Gewürzen wirbt. Gerade bei Sirup, gesüßtem Popcorn und Kaffeegetränken kann Zucker einen erheblichen Anteil ausmachen.

Der eigentliche Reiz liegt ohnehin im Aroma. Pumpkin Spice verbindet die würzige Schärfe von Ingwer mit der Süße von Zimt und den warmen, intensiven Noten von Nelken und Muskatnuss. Diese Kombination passt zu zahlreichen Herbstgerichten, auch ohne besondere Fertigprodukte.

Spice up your coffee! Die würzig-süße Latte für zu Hause

Für zwei Gläser des Getränks reicht ein Viertel Hokkaido-Kürbis aus, etwa 200 Gramm. Die groben Stücke gibt man mit 30 Gramm frischem Ingwer in Scheiben sowie 300 Milliliter Wasser zum Kochen in einen Topf. Nach 20 Minuten sollten die Kürbisstücke weich sein.

Inzwischen 6 Pimentkörner im Mörser fein mahlen und mit einer Prise Zimt, einem Esslöffel Muskat sowie einem halben Esslöffel Kurkuma vermischen. Den abgegossenen Kürbis und Ingwer pürieren Hobbyköche dann mit einem Esslöffel der Gewürzmischung.

Zum Aufgießen muss man dann nur noch einen großen Löffel des Pürees in die Gläser geben und das Ganze mit heißer Milch und Kaffee aufgießen. Vor dem Trinken rührt man das Kürbispüree dann am besten mit einem langen Löffel auf.